Diesmal war alles anders. Normalerweise fahre ich morgens über die Autobahn, um schnell im Zielgebiet anzukommen. Diesmal habe ich jedoch die Landstraße gewählt und nur das letzte Stück der A1 bis nach Blankenheim genutzt. Anschließend ging es „falsch herum“ durch die Ahrtal-Tour durch enge, anspruchsvolle Serpentinen.
Dabei kam es dann auch zu einem Sturz: In einer gestreuten Kurve, ausgerechnet an der steilsten Stelle und engsten Kehre, habe ich die Maschine abgelegt. Ich bin diese Strecke schon viele Male gefahren, allerdings noch nie bergauf.
Fehlerbericht:
Als ich aus der letzten Kurve kam, sah ich die Serpentine vor mir und erkannte sofort, dass vor lauter Bindemittel kaum noch Asphalt zu sehen war. Da gingen bei mir alle Alarmglocken an. Ich blickte nach oben soweit ich sehen konnte, war kein Fahrzeug in Sicht. Also entschied ich mich, in den Gegenverkehr auszuweichen.
Beim Einlenken stellte ich jedoch fest, dass ich noch im falschen Gang war. Dabei würgte ich den Motor ab und das Motorrad lag sofort auf der Seite. Natürlich mitten im Bindemittel. Ich selbst konnte mich zum Glück halbwegs geschickt über das Vorderrad abrollen.
Die Schäden hielten sich in Grenzen: ein paar Kratzer am Koffer und an den Seitentaschen, Spiegel und Handschutz verstellt nichts Dramatisches.
Das Motorrad wieder aufzustellen war dabei noch das kleinste Problem. Gott sei Dank kam in diesen gefühlt endlosen Minuten niemand vorbei. Die eigentliche Herausforderung war, die Maschine aus dieser steilen Kurve wieder in Bewegung zu bringen.
Ich ließ das Motorrad vorsichtig bis ans Ende der Kurve zurückrollen, bis hinter dem Hinterrad nur noch der Hang war. So hatte ich möglichst wenig Steigung für das Anfahren, stand aber noch stabil genug, um die Kurve zu schaffen. Dann fuhr ich ganz behutsam wieder an.
Auf so eine Situation kann man sich nicht vollständig vorbereiten aber man kann sich gedanklich darauf einstellen und ein gewisses „Rüstzeug“ im Kopf haben. Für mich war es besonders wichtig, zunächst die Strecke abzusichern, bevor ich weitergemacht habe.
Meinen Helm legte ich bergab vor die letzte Kurve, die gelbe Warnweste platzierte ich bergauf vor die nächste. Kurz bevor ich wieder anfuhr, sammelte ich beides wieder ein. Mein Motorrad stand dabei so tief in der Kurve, dass der Verkehr problemlos hätte vorbeifahren können.
Oben angekommen fuhr ich erst einmal in eine Parkbucht, um die Schäden genauer zu begutachten. Nach den Kriterien: Weiterfahren, Service rufen oder Abschleppen lassen. Die Entscheidung fiel nach kurzer Zeit eindeutig aus: Weiterfahren.
Ein anderer Motorradfahrer saß oben auf einer Bank und frühstückte. Er fragte sofort, ob ich mich in der Kurve hingelegt hätte was ich bestätigte. Daraufhin erzählte er mir, dass er die Kurve ebenfalls nicht geschafft hatte. Seine Supersportmaschine sah allerdings deutlich schlimmer aus als meine. Er wird wohl in neue Verkleidungsteile und eine Lackierung investieren müssen.
Er berichtete außerdem, dass wir in guter Gesellschaft seien: Die Fahrer, die uns zuvor im Ort mit ihren großen Tourern entgegengekommen waren, hatten sich ebenfalls in dieser Kurve hingelegt und waren bereits auf dem Weg zum Service.
Sonst war die Tour wenig auffällig aber landschaftlich super schön, leider konnte ich nicht den an tollen Fotospots anhalten. Alle weiteren enge bergauf Kurven fahre ich nun etwas anders an.
